Die Familie der Gräser in der Homöopathie

Im vergangenen Jahr beschäftigte ich mich ausführlich mit den homöopathischen Arzneien aus der Familie der Gräser und entwickelte Hypothesen einer möglichen Zuordnung zu den verschiedenen Miasmen.

Botanische Einordnung

Die Gräser gehören zu den Monokotyledonen – Commeliniden. Zur Gruppe der Monokotyledonen gehören viele Wasserpflanzen oder Pflanzen aus feuchten Gegenden oder aus extremer Trockenheit. Das Wurzelsystem ist gering ausgebildet.

„Gräser sind Lichtpflanzen, in die Erde eingestossene, dort Wurzel schlagende Lichtspeere.“1

Man unterscheidet zwei Familien:

  • Süßgrasgewächse (Familie Poaceae/Gramineae), Ordnung Poales/Graminales, z. B. Bambus, Getreidearten usw.
  • Sauergrasgewächse (Familie Cyperaceae), Ordnung Cyperales, z. B. Papyrus

Merkmale der Süßgräser

Süßgräser haben lange, schmale Blätter mit parallelen Adern, einen runden, oft hohlen Stiel, der durch Knoten gegliedert ist, und unauffällige Blüten (Rispe oder Ähre). Sie sind Pflanzen der Savanne, Prärie und Steppe und verhindern das Austrocknen des Bodens.

In dieser Pflanzenfamilie befinden sich die Getreide, die Grundnahrungsmittel der Menschen, sowie die Gräser der Weiden und Wiesen als Futter und Lebensgrundlage für die Tiere. Sie haben eine nährende Funktion. Sie stehen in Gruppen (Familie und Ernährung sind wichtige Themen) und bilden Horste, d. h. sie stehen eng beieinander.

Die Zellwände der Gräser sind reich an Silicea, das stabilisierende Eigenschaften hat und vor Pilzbefall schützt, aber zugleich eine gewisse Starre, Steifheit oder Stacheligkeit hervorbringt. Berührung kann allergische Reaktionen hervorrufen.

Jeder Halm ist vereinzelt, aufrecht und stabil und schwingt hin und her (Gleichgewicht? Schwindel?). Die Halme stehen still, doch bei geringster Luftbewegung beugen sie sich – sie sind dadurch flexibel und reaktiv. Sie werden durch den Wind bestäubt und haben viele Samen (viel oder wenig Nahrung? Hunger oder Überfütterung?). Sie wachsen nicht in die Breite, sondern in die Länge. Das Wort „Gras“ kommt vom indogermanischen ghr mit der Bedeutung „wachsen“ (englisch grow) und ist mit der Farbe Grün verwandt.

Die Halme der Sauergräser sind dagegen nicht durch Knoten gegliedert, z. B. bei Riedgräsern und Binsengewächsen.

Gras als Metapher

  • Dem Gras beim Wachsen zusehen (Langeweile)
  • Gras rauchen (Marihuana)
  • Ins Gras beissen (sterben)
  • Bis Gras darüber gewachsen ist (bis alles längst vergessen ist)
  • Da wächst kein Gras mehr (da ist alles komplett zerstört)
  • Das Gras wachsen hören (starke Sinnesschärfe)

Homöopathie: mögliche Indikationen

Allergien: Heuschnupfen, Heuasthma, Urticaria, allergische Dermatitis; Verdauungsprobleme (Unverträglichkeiten); Nervenerkrankungen (Zittern, Schwindel); Wirbelsäulen- und Nackenbeschwerden.

Reizworte für Gräser: stabil, stark, aufrecht, grundiert, verwurzelt, steif, gerade, Stütze, Halt, Pflicht – versus schwach, versehrt, verbogen, schwankend, lenkbar, zerlegbar, zerbrechend, locker, leicht, zerzaust durch Wind und Luft.

Reizworte der Empfindung: brennend, schneiden, jucken, Nadeln, perforieren, lochen, gespitzt, stoßen, zerstechen, durchstechen, durchbohren, stachelig, gereizt, Stift/Stock/Stab, Splitter, Dorn, Widerhaken, Stich, klingen, krabbeln, kitzeln.

Menschliche Entsprechungen: ausgeschlossen, schwach, schlaff, zittern, benötigen Unterstützung, müssen sich anlehnen, wie betrunken, Schwindel, keine Konzentration, Verwirrung, vergesslich, Apathie, Ermüdung, fühlen sich überlastet (z. B. nach der Geburt, wie Sepia), Wind bessert oder verschlechtert, trockene schuppige Haut, brüchige Nägel, biegsam, geschmeidig, flexibel, Hyperaktivität, Ehrgeiz.

Die Süßgräser (Poaceae)

Bambusa arundinacea – Bambus

Bambus zeigt eine starke Kieselsäurespeicherung und die Tendenz zu verholzen, steinhart zu werden und dennoch elastisch zu bleiben. Er hat viele Knoten; die Zwischenräume sind hohl. Bambus wird verwendet, um andere Pflanzen zu stabilisieren und zu stützen. Seine Blüten sind bescheiden.

In der homöopathischen Studie zu Bambus2 berichtet der Autor u. a. von Bambus als Symbol für die Kunst des Überlebens, für Bescheidenheit und Alter sowie für Elastizität im Sinne von Anspannung, Verspannung und Steifigkeit oder auch Hypermobilität der Wirbelsäule – sowohl im Körper als auch in der Psyche. Dazu passen Äußerungen wie „will Ballast abwerfen“ und „möchte nicht für alles und jedes verantwortlich sein“.

Damit ist Bambus ein Mittel für Stress- und Burnout-Syndrom, berufliche Überlastung (Bambus wächst schnell) und Kräftezerfall durch Überforderung, auszehrende Lebensweise, Pflege, hektisches Leben, während und nach der Schwangerschaft, PMS, Dysmenorrhoe usw. Es entsteht ein „Durchhängezustand“: möchte weglaufen, nichts mehr hören und sehen, nur noch herumgammeln; die täglichen Pflichten sind wie ein Rucksack.

Empfindungen: gefangen, überfordert, Stress, eingeengt, jeder Freiheit beraubt, „alles wächst mir über den Kopf“, kann nicht mehr lachen, keine Konzentration mehr, vergesslich, macht Fehler, Stange, Stock, Stab, festgehalten, Zittern, Zusammensacken, hohl, schwer, schwach, leer, verwirrt.

Körperliche Ebene: Verspannungen, Versteifungen, starre Schmerzen, wie eingerostet, Stange im Rücken, schmerzhafte Spannung, muss sich stützen, Schwäche, Unsicherheit, Schwindel, als ob der Boden schwankt, Verlangen, den Kopf anzulehnen, extrem frostig, empfindlich gegen Zugluft und Kälte.

Volksmedizin: Bambus wurde bei Uterusleiden, Bluterkrankungen, als Wurmmittel, bei Gelenkentzündungen, Ohrenerkrankungen usw. angewendet; er wirkt auf Hypophyse und Hormonsystem.

Medizinische Begriffe: Bamboo-Spine = Morbus Bechterew; Bambus-Rippen bei Glasknochenkrankheit.

Zusammenfassung Bambus: Instabilität, Auseinanderbrechen/Fallen, schwankend, Balance suchend, steif, starr im Außen, Stab/Stock/stechend, durchbohrend, zerspringen, weil so steif („cracks“), Eiseskälte.

Oryza sativa – Reis3

Reis dient der Grundversorgung. Er steht im Wasser und braucht viel Zuwendung und Routinearbeit: Er wird von Hand gepflanzt – eine ständig sich wiederholende, mühsame Arbeit.

Homöopathie:

  • Gewissenhaftigkeit, Zwanghaftigkeit, halten sich an Kleinigkeiten fest (= kontrollieren), sind pingelig, ordentlich
  • Müdigkeit, Erschöpfung, keine Energie, als ob sie in Ohnmacht fallen, können keine Balance halten
  • Verlust der Orientierung, Entscheidungsunfähigkeit, unkonzentriert, verwirrt, vergesslich: „mein Hirn ist wie gekneteter Teig“
  • Schwindel, Schwanken: muss sich setzen
  • Verlassenheitsgefühl (Wahnidee: vernachlässigt, missverstanden, nicht anerkannt, in Not)
  • Allergien: jucken, kribbeln, krabbeln, stechen, brennen, als ob Pfeffer auf der Haut
  • Brennen im Magen mit Übelkeit und Druck, Diarrhö, Ernährungsstörungen

Stigmata maydis – Mais (Zea)4

Mais steht für Fülle, Überfluss und Reichtum.

[Foto: Stigmata maydis, Quelle: wikipedia.org]

Homöopathie: ärgerlich, kritisch, feindlich, reizbar, verwirrt, nicht fokussiert; unterdrückter Zorn, der herauskommt: heißer Kopf, kocht, Streit, Zorn, Wut. Steinbildung (Niere), chronische Blasenentzündungen.

Triticum vulgare – Weizen5

Weizen ist ein Grundnahrungsmittel. Der Urweizen, die Mutter unseres Weizens, ist der Emmer. Anders als Reis muss Weizen gemahlen, also bearbeitet werden. Der Beruf des Müllers genoss früher wenig Anerkennung und wurde trotz harter Arbeit schlecht bezahlt. Getreide steht für Fruchtbarkeit; Sizilien war die Kornkammer des Römischen Reiches (Bibel: die Speicher füllen).

Homöopathie: keine Freude, kein Enthusiasmus, Melancholie, keine Kommunikation, ruhig, introvertiert; „muss mich und andere ernähren, niemand tut etwas für mich“; Geld/Erbe: nichts bekommen zu haben, keine Unterstützung. Verlangen nach Brot und Kohlenhydraten; man muss sich anstrengen (Brot wird erst süß, wenn man lange kaut). Verdauungstrakt: Übelkeit, Diarrhoe, Magenschmerzen; allergische Reaktionen auf weißes Mehl, Juckreiz, Brennen, Allergien.

Arundo – Schilfgras (verschiedene Arten)

Die Pflanze liebt feuchte Standorte (Küsten, Flüsse, Seeufer, Sümpfe). Sie wird für Matten und Körbe benutzt, die Stängel für Stifte und Instrumente (Oboe, Fagott, Panflöte). Das Schilfgras gehört zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt und verdrängt dadurch andere Pflanzen.

Homöopathie6: Allergien mit Juckreiz, Sticheln, Brennen und mit viel Schnupfen, Schleim, Speichel – von allem zu viel: Milch in der Brust, Sexualtrieb usw. Ruhelosigkeit, Instabilität, fröhlich, albern, immer zu spät.

Saccharum officinale (album) – Zuckerrohr7

Zuckerrohr ähnelt dem Bambus, ist aber nicht hohl und enthält den süßen Saft. Dioskurides verschrieb es dem gebrechlichen Menschen.

Homöopathie:

  • Schwere, Steifheit, Leeregefühl, Schwäche, Zittern, Auszehrung, Schwindel, als ob das Bett sinkt, Schwanken
  • Mangel an Zuwendung (nicht geliebt, vernachlässigt, verlassen, isoliert); verzweifelte Suche nach Liebe und Zuwendung, sucht Aufmerksamkeit, ist besitzergreifend, unzufrieden
  • Schwankender Zuckerstoffwechsel, dadurch starkes Verlangen nach Süßigkeiten
  • Orales Bedürfnis: Finger im Mund, Daumenlutschen (Clarke: verwöhnte, launische Kinder, die am Finger lutschen)
  • Anorexie, Bulimie, Diabetes
  • Ruhelosigkeit, es fehlt etwas, die Energie ist nicht in Balance

Alternierende emotionale Zustände:

  • Verlangen nach Zuwendung, dann Verweigerung
  • sanft, launisch, labil bis hysterisch, ärgerlich, reizbar
  • Periodizität

Empfindungen: jucken, stechen, kribbeln, krabbeln, brennen, scharf.

Avena sativa – Hafer

Hafer ist ein Grundnahrungsmittel für Pferde – beruhigende Nahrung oder auch ein Energieschub. Hafer schleimt ein (Hafertee bei Magenbeschwerden) und wird genommen, wenn die Eisenspeicher leer sind. Er blüht bei absteigender Sonne (ein Mittel für alternde Menschen?). Als Metapher steht „vom Hafer gestochen“ für wildes, übermütiges, schwer zu bändigendes Verhalten.

Homöopathie:

  • Vergiftung durch Alkohol und Narkosemittel
  • Gereiztheit, Stress, Nervenschwäche, Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen: Schulprobleme, Überanstrengung des Gehirns
  • ZNS-Symptome: Parkinson, Chorea, Epilepsie, Taubheit der Beine, Alterszittern
  • Schwach, alt, abgemagert (auch Kinder), Hinken beim Gehen, als ob Fußfessel
  • Empfindung: Zittern, Zucken, Brennen, Jucken

Poa annua – Einjähriges Rispengras

Homöopathie: abgeschaltet, abgestumpft, Müdigkeit, Lethargie, Demenz. Allergie: Brennen, Kribbeln, Kritzeln. Empfindungen: Stechen, Stich, Pflock, Dolch, erstarrt, steif.

Cynodon dactylon – Hundszahngras

Ein Gewürz, zitronenartig mit Rosenduft; wirkt intensiv reinigend und aufhellend.

[Foto: Illustration Hundszahngras, Cynodon dactylon, Quelle: wikipedia.org]

Homöopathie: Schwäche, Zittern, Schwindel, Sensibilitätsstörungen, als ob elektrische Schocks, Zucken, Tendenz zu fallen.

Cymbopogon citratus – Lemongras

Ein Gewürz, zitronenartig mit Rosenduft; wirkt intensiv reinigend und aufhellend.

Homöopathie: Schwäche, Zittern, Schwindel, Sensibilitätsstörungen, als ob elektrische Schocks, Zucken, Tendenz zu fallen.

Anantherum – Vetiver (Andropogon muricatus, Cuscus grass)

Das Gras wird angebaut, um drohender Bodenerosion vorzubeugen. Die Wurzeln halten den Boden feucht und können ihn entgiften. Das getrocknete Kraut dient als Räucherwerk und wird wegen seines bitteren, balsamischen Geruchs in der Parfümherstellung verwendet.

Homöopathie (Gemüt – Haut – Drüsen):

  • Unruhe, Zwangshandlungen, Monomanie, ADHS?, suizidal, zerstörerisch, Verrücktheit (Rubrik im Repertorium: Monomania: going out, dressing in a grotesque manner)
  • Brennende Hitze – Eiseskälte, Wind verschlechtert
  • Schwäche, Ohnmacht, Fallen
  • Ischialgie, Neuralgien, Knochenschmerzen
  • Jucken, Brennen, Krabbeln

Lolium temulentum – Taumel-Lolch (Schwindelhafer)

Lolium wächst oft in Kornfeldern und wird von einem Pilz befallen, der Rauscheffekte erzeugt. Aus diesem Grund wurde es dem Bier zugesetzt.

Homöopathie: narkotisch, schläfrig, schwindelerregend; Gangstörung mit Stolpern und schwankendem Gang oder mit Konvulsionen, Spasmen und Pupillendilatation. Körpertemperatur herabgesetzt, Kälteschauer beim Berühren von Papier oder beim Quietschen der Tür, Empfindung eines Eisklumpens am Hinterkopf, Kopf wie ausgestopft mit dicker Substanz.

Agropyron repens – Quecke

Die Quecke dient Viren und übertragbaren Pilzen als Wirtspflanze, insbesondere dem Mutterkorn bildenden Pilz Claviceps purpurea.

Homöopathie und Pflanzenheilkunde: Schnupfen mit starker Schleimabsonderung, Harnwegsentzündungen, Nierenerkrankungen, Blutreinigung und rheumatische Beschwerden.

Phleum pratense – Wiesenlieschgras

Ein schweres, nährstoffreiches Futtergras; sein Pollenflug verursacht Heuschnupfen.

Homöopathie: Heuschnupfen, Asthma, Jucken von Nase und Augen.

Stipa pennata – Echtes Federgras8

Synonyme: Grauscheiden-Federgras, Flunkerbart, Marienflachs, Waisenmädchenhaar, Feenhaar, Teufelshaar.

Die Halme stehen aufrecht und dicht zusammengedrängt (Horste); am oberen Rand der Blattscheide befinden sich feine Wimpern. Das Gras ist an der Basis zugespitzt und kann sich in den Boden, aber auch in die Haut von Tieren einbohren. Rückwärts gerichtete Borsten fördern ein immer tieferes Eindringen. Durch dieses Einbohren können Federgräser z. B. Schafen schweren Schaden zufügen.

Erste meditative Erkenntnisse: Schönheit, Anmut, Feinheit, kitzelig, zittern im Wind, kindlich lächelnd, autoaggressiv, ätherische Kinder, die nicht richtig inkarniert sind, wurzellos, instabil, Uterus, Harnröhre, Verlangen nach Schokolade.

Verreibung: hart, spröde, spiralförmig, Drehbewegung, Anmut, Antenne, Verwirrung, Traumfänger, hypersensibel; Nase verstopft, Flimmerhärchen des Innenohres, Töne werden durch die Luft übertragen; zäh, pappig, verspannt, steif, altern, wurzellos, Zeit des Wechsels, allein, aber nicht einsam, viel Durst, Augenjucken, Reizhusten, trockene Schleimhaut, Jucken im Ohr, Wimpern und Haare empfindlich.

Homöopathie: trockene Augen durch wenig Schlaf; alles ist trockener, ausgetrocknet: Hals, Bronchien; überreizt, Räuspern mit Trockenheit, feiner Staub wie Salz in den Augen, überanstrengte Augen (z. B. durch zu viel Fernsehen), belegte Stimme. Druck im Rücken, man kann nicht durchatmen; es bläst sich auf wie eine Schale, dadurch entsteht Druck, als würde jemand einen Dorn hineindrücken.

Die Sauergräser (Cyperaceae)

Papyrus

Das Wort „Papier“ leitet sich von Papyrus ab. Die Wurzelstöcke sind essbar. Papyrus wächst nur in Wassernähe und bildet bis zu fünf Meter hohe Stängel, aus denen im alten Ägypten Boote gebaut wurden. Die Papyruspflanze war Symbol der aus dem Urwasser entstandenen Welt und damit mit Unterwelt und Wiedergeburt verbunden. Beschriftetem Papyrus wurden magische Kraft und medizinische Wirksamkeit zugesprochen.

Rezept eines Kinderheilmittels (Papyrus Ramesseum):

„Ein anderes Heilmittel für das Veranlassen, dass ein Kind die Stauungen von Harn ausscheidet, die in seinem Bauch sind: Ein altes Papyrusblatt, zerkocht in Öl/Fett; werde sein Bauch damit gesalbt, so dass seine Harnausscheidung sich regelt.“

Homöopathie9

Gemüt: Unausgeruht, emotionsloses Gefühl, fast leer: keine Lust; nichts regte mich auf, nichts freute mich, nichts hat mich berührt. Ich war eine leere Hülle: wie ein Gummischlauch, der in sich zusammenfällt (Handbewegungen), zusammensackt. (Proband 1)
Frohgestimmt, fröhlich, hoffnungsfroh getragen – abwechselnd mit dem Gefühl, als ob ein „Stöpsel“ gezogen wäre: erschöpft, ausgelaugt, traurige Grundstimmung. (Proband 2)

Träume (Proband 2):

  1. Gefühl von Verunsicherung; passt nicht in meine Realität, in den „gewohnten Rahmen“ meines Lebens. Verwunderung: Das Leben geht weiter.
  2. Gefühl im Körper: zusammenkrampfen, sich nicht bewegen können, starr sein; bei dem, was da passiert, nur zuschauen.
  3. Finde ein Wespennest, will es wegtragen, versinke im morastig-sumpfigen Boden.

Schwindel: Gangunsicherheit. Unsicher beim Treppab-Gehen, als würde ich nicht sehen, wie weit die Stufe entfernt ist; musste fokussieren, sonst wäre ich gefallen. Gefühl, als würde der Kopf leer sein und kurz absacken, mit komischem Gefühl im Genick. Ich bleibe kurz stehen, dann kommt wieder Blut in den Kopf, dann ist es besser (ein Mittel für ältere Menschen?). (Proband 1)

Kopf: Schweres Erwachen mit heftigen Kopfschmerzen auf der Schädeldecke rechts vom Scheitel, als würde jemand einen Keil von oben hineindrücken (loslassen und drücken, intervallmäßig); besser durch Druck mit der flachen Hand, beim Loslassen schlechter; Bild einer Axt, die jemand hineinsteckt und herauszieht. (Proband 1)
Schmerzen auf der Schädeldecke rechts vom Scheitel, als ob ein Stock durchgebohrt wird; ich will den Stock herausziehen, damit der Schmerz aufhört; schlechter durch Erschütterung (Radfahren, Bewegung), besser durch Ruhe und Liegen. (Proband 2)
Kopfschmerz wie im Schraubstock, schlechter durch geringste Bewegung (Migräne mit Übelkeit), besser durch Kaffee. (Proband 2)

Augen: Brennen in den Augen morgens; zog die Augenlider herunter; besser durch Schließen der Augen. (Proband 1)
Zucken des linken Augenlids und der Augenbraue. (Proband 2)
Schwere der Augen, als ob Säcke an den Unterlidern hängen; zieht alles herunter. (Proband 3)

Ohr: Krusten im Gehörgang, gelb, schmerzend bei Berührung, als ob entzündet. Beide Gehörgänge juckten; morgens war der Gehörgang wie zugekleistert mit Krusten und Ohrenschmalz, viele Absonderungen, matschig im Gehörgang.

Mund: extreme Trockenheit. (Proband 3)

Schlaf: schlecht eingeschlafen, sehr geräuschempfindlich; jedes kleinste Ding stört, als wäre es jedes Blatt, das herunterfällt – bis 2 Uhr in der Nacht. (Proband 1)
Müdigkeit; Schlaf unruhig, oft aufgewacht durch Geräusche, durch Nachbarn, die nach Hause kamen etc. (Proband 2)

Rücken: Schmerz in der Pobacke, krampfartiges Ziehen ins Bein. (Proband 2)

Extremitäten: Ischiasbeschwerden, besser durch Bewegung, schlechter zu Beginn der Bewegung und morgens. (Proband 2)

Blase: ständiges Wasserlassen, ohne viel getrunken zu haben. (Proband 1)

Haut: Stiche: rot – dick – heiß – bläulich – livide – juckend mit violetter Umrandung. (Proband 1)
Stiche, rot, juckend; starke Hornhautbildung an beiden Fersen, trockene, rissige Haut. (Proband 2)

Allgemeines: Extreme Müdigkeit zog sich den ganzen Tag durch den Körper. (Proband 1)
Müde – schlapp – hohl – leer – keine Lust auf Kontakt, abwechselnd mit Mordsspaß, aufblühen, sich präsentieren, sich schön fühlen. (Proband 1)
Müdigkeit, Mattigkeit, Überforderung, Ohnmacht, „ich war ganz fertig“. (Proband 3)

Zusammenfassung: Themen der Gräser in der Homöopathie

Stabil – instabil: Zittern, Schwanken, Schwindel

  • Lolium: schwankendes Gehen, Gangstörung, Stolpern
  • Oryza: Schwanken, muss sich setzen, Schwindel, als ob in Ohnmacht fallen
  • Saccharum off.: schwankender Zuckerstoffwechsel, schwankende Energie und Emotion, Schwere, Steifheit, Zittern, Schwindel, als ob das Bett sinkt
  • Avena sativa: Zittern, Schwanken, Nervensystem, Stress, Hinken, als ob Fußfessel
  • Arundo: überschießende allergische Reaktionen
  • Bambusa: schwankende Wirbelsäule (Schwingen)
  • Papyrus: Gangunsicherheit, Absacken, Fallen
  • Cymbopogon: Zittern, Schwindel, Fallen, als ob elektrische Schocks

„Lichtspeere“: verkrampft, starr, rigide

  • Bambusa: Stab, Stange, Stock, Stütze, Pflock, Dorn
  • Stipa pennata: Einbohren, Eindringen, Speer, Dorn, eingedrückt
  • Papyrus: Keil, Stock, Axt
  • Poa annua: Stechen, Stich, Pflock, Dolch, erstarrt, steif

Es zeigt sich, dass in den neueren Studien die Empfindungen der „Lichtspeere“ – Spitze, Dorn, Stange, Stock, Pflock – stärker in den Vordergrund getreten sind.

Müdigkeit, Schwäche

  • Bambusa: gefangen, überfordert, Stress, Zusammensacken
  • Papyrus: Gummischlauch, zusammengesackt, hohl, leer
  • Stipa pennata: überreizt, rote Augen, geschwächt
  • Triticum: keine Freude, kein Enthusiasmus
  • Anantherum: Schwäche, Ohnmacht, Fallen
  • Saccharum off.: Leeregefühl, Schwäche
  • Cymbopogon: Schwäche

Trockenheit – Wasser

  • Stigmata maydis: chronische Blasenentzündung
  • Arundo: viele flüssige Absonderungen
  • Agropyron: Harnwegs- und Nierenerkrankungen
  • Stipa pennata: ausgetrocknet, Staub wie Salz
  • Papyrus: ständiges Wasserlassen

Allergien/Asthma

Stechen, Kribbeln, Krabbeln, Jucken, Sticheln, Brennen, scharf – bei Bambusa, Oryza (Reis), Triticum (Weizen), Arundo, Saccharum off. (Zuckerrohr), Avena sativa (Hafer), Poa annua, Cynodon, Cymbopogon, Anantherum, Phleum und Stipa pennata (Federgras).

Empfindungen der Gräser (Vorschlag)

Empfindung: Gleichgewicht suchen, Schwanken, instabil, unsicher, aus der Balance; Stock, Pflock, Dorn, Stechen.

Passive Reaktion: Schwäche, müde, leer, hohl, schwindelig, verbogen/gebogen, geknickt, Zittern, Kälte, Ausscheren, Zusammensacken.

Aktive Reaktion: anspannen, fest, starr, steif, festhalten, stützen.

Kompensation: mitschwingen, anpassen, unbeschwert, lustig, gelöst; muss darauf achten, dass alles zusammenhält und nichts aus der Reihe, aus der Familie, aus dem Gefüge fällt.

Miasmen (Vorschlag)

  • Typhoid: Mais, Stigmata maydis (muss sich zusammenreißen, damit er nicht explodiert)
  • Malaria: Saccharum off. (Periodizität: abwechselnde Zustände, ärgerlich – hyper)
  • Ringworm: Papyrus (alternierend: lustlos – hoffnungsfroh, emotionslos – freudig)
  • Cancer: Oryza sativa (mühsam, zwanghaft, erschöpfend); Bambus (muss enorme Kräfte aufwenden, um die Stabilität aufrechtzuerhalten)
  • Tuberkulinisch: Arundo (hohe Aktivität, Produktion von Schleim/Flüssigkeit)
  • Lepra: Triticum (keine Freude, keine Unterstützung, zum Scheitern verurteilt)
  • Syphilitisch: Avena sativa (Zerstörung)

Ich würde mich über Erfahrungsberichte von Kolleginnen und Kollegen mit der Anwendung der homöopathischen Mittel aus der Familie der Gräser sehr freuen.

Quellen

  1. Pelikan, Wilhelm: Heilpflanzenkunde II, Verlag am Goetheanum, 2005, S. 68
  2. Schuster, Bernd: Bambus, Kent-Gesellschaft, Kronberg, 1996
  3. Homöopathische Prüfungen in Israel, Peter Friedrich (Deutschland)
  4. Homöopathische Prüfungen in Israel
  5. Homöopathische Prüfungen in Israel
  6. Allen, Hering, Kent: Homöopathische Prüfungen
  7. Homöopathische Prüfungen in Israel
  8. Schadde, Anne: Homöopathische Studie, 2015
  9. Schadde, Anne: Homöopathische Studie, 2015
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